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Den Bund, den Moses zwischen Gott und seinem Volk, den Israeliten vermittelte, mussten die Propheten immer wieder einmahnen. Einer dieser Propheten war Jesaja ben Amoz (Sohn des Amoz). Er stammte aus einer vornehmen Familie in Juda, dem Südreich und genoss eine gute Ausbildung. Er war verheiratet und hatte zwei Söhne. Im Todesjahr von König Usia 740/739 v. Chr. wurde er von Gott zum Propheten berufen, er wirkte bis zum Einfall der Assyrer unter Sanherib 701 v. Chr., zur Zeit des jüdischen Königs Hiskia. In dieser Zeit verbündeten sich Syrien und das Nordreich Israel gegen Juda. Jesaja prophezeite die Niederlage dieser Gegner, aber prophezeite auch das schnelle Vordringen der Großmacht Assyrien. Tatsächlich drangen die Assyrer 732 nach Syrien und Israel vor und 722 wurde das Nordreich vernichtet. Der Assyrer Sanherib belagerte 701 auch Jerusalem, musste aber aufgrund des Eingreifens Gottes wieder abziehen.

Der Prophet Jesaja wirkte zwischen 740 und 701 v. Chr.

Jesaja erhielt bei seiner Berufung zum Propheten einen doppelten Auftrag: 1. Er sollte die Verstockung des Volkes aufzeigen, ja herbeiführen. 2. Darauf werde das Gericht folgen, bei dem nur ein kleiner Rest des Volkes übrig bleibe, mit dem Gott dann seine Heilsgeschichte zum Ziel führen kann. Jesaja wird so auch zum Propheten des erwarteten großen Heils. Er verkündet die Ankunft des Messias, des Gesalbten Gottes, der ein Friedensreich bringen wird. Dies wird deutlich in den Texten vom Gottesknecht, die nicht mehr von Jesaja selbst, sondern von seinen Schülern stammen. Christen erkennen in den Ankündigungen des kommenden Heils und in den Liedern vom leidenden Gottesknecht Hinweise auf Jesus Christus. Jesaja wird deshalb auch "der Evangelist des Alten Bundes" genannt. Die Überlieferung berichtet von Jesajas Märtyrertod unter König Manasse, weil er es gewagt hatte, Jerusalem mit Sodom und Gomorra zu vergleichen. Jesaja sei in einen hohlen Baum geflohen, den der König mit ihm habe durchsägen lassen.

Die ersten 39 Kapitel des Buches Jesaja bestehen überwiegend aus Prophezeiungen, in denen Jesaja den Nationen droht, die Juda verfolgen. Zu den Nationen gehören unter anderem Assyrien, Ägypten, Babylonien, Syrien und Moab. Generell besagen die Prophezeiungen, dass Gott der Herr der Welt sei und alle ungläubigen Völker bestraft, die sich in falscher Sicherheit wiegen. Jesaja erwähnt hier auch einen Messias, eine geweihte Person, die Macht von Gott bekommen hat, und dessen Reich des Friedens, in dem Gerechtigkeit vorherrschen werde. Dieser Messias wird ein Nachkomme von König David sein. Die Wirkungszeit des Propheten in Jerusalem beträgt etwa 40 Jahre. Ab Kapitel 40 richtet sich die Botschaft an die nach Babylonien verschleppten Juden. Ihnen wird die Befreiung zugesagt. Dabei beteuert Jesaja, dass die Juden das auserwählte Volk des Herrn seien und dass JHWH ihr einziger Gott sei. Die letzten Abschnitte enthalten poetisch formulierte Prophezeiungen über die prächtige Zukunft Jerusalems, dem sogenannten Zion.

Die Texte der Bibel wurden ursprünglich auf Papyrus geschrieben und zu Rollen geklebt. Die berühmte Jesajarolle der Schriftfunde aus Qumran (1947) wurde mit Radiokarbon-Untersuchungen 1991 und 1994 analysiert und um das Jahr 200 vor Chr. datiert. Sie zeigte eine sehr gute Übereinstimmung mit den späteren Abschriften. Die Bibelwissenschaft unterteilt die Entstehung des Buches Jesaja in drei Teile: Protojesaja (die Kapitel 1 – 39), Deuterojesaja (die Kapitel 40-55) und Tritojesaja (die Kapitel 56-66).

Protojesaja ist der erste Jesaja. Er kritisiert die Bürger von Juda: „Gott hoffte auf Guttat, und siehe da Bluttat, auf Rechtsspruch, und siehe da Rechtsbruch!“ (Jes 5,7)

Aber es kommen Tage, da wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben“ (Jes 7,14). „Das Volk, das im Dunkel lebt, / sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, / strahlt ein Licht auf. Jeder Stiefel, der dröhnend daher stampft, / jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, / wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, / ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; / man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, / Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß / und der Friede hat kein Ende.“ (Jes 9,1.4-5) Dies sieht das Christentum als Prophezeiung von Jesus. Aber auch „richtet er die Hilflosen gerecht“ und dann wohnt der Wolf beim Lamm (Jes 11,4.6)

In der Berufungsvision berühren Jesajas Lippen eine glühende Kohle, die nicht schmerzte: „Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße und mit zwei flogen sie. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. / Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, / deine Sünde gesühnt. Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!““ (Jes 6,1-8) Zu Beginn spricht Gott das Gericht über den Hochmut der führenden Kreise und im Weinberglied klagt Gott über die enttäuschte Liebe zu seinem Volk (Jes 5,1-7). Aber zum Schluss kommt der Heilige Geist: Wenn aber der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird, / dann wird die Wüste zum Garten / und der Garten wird zu einem Wald. In der Wüste wohnt das Recht, / die Gerechtigkeit weilt in den Gärten. (Jes 32,15-16)

  1. Klasse, 21: Deuterojesaja ist der zweite Jesaja: Die Bezeichnung „deutero“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Zweiter“. Er streitet mit Ungläubigen und erklärt, warum Gott alleiniger Schöpfer des Universums ist, und er singt vier Lieder vom Gottesknecht (42,1-7; 49,1-6; 50,4-9; Kap. 52,13 – Kap. 53,12) Der Prophet Deuterojesaja trat im babylonischen Exil (587 - 539 v.Chr.) auf. Es war die Zeit, als Jerusalem und der Tempel zerstört waren und die Juden in Babylon angesiedelt wurden. Seine Aufgabe sah er darin, dem Volk das Heil JHWHs anzusagen mit dem Ruf: „Fürchte dich nicht!“. Noch im Buch Deuteronomium wird Israel aufgerufen, nur den Einen zu verehren; d.h. die anderen Völker haben ihre Götter, denen auch Israel immer wieder nachläuft, aber Israel soll nur JHWH allein verehren. Aus der Verehrung JHWHs als des Einen und Einzigen wird im Exil der Eingottglaube. Alle anderen verehrten Gottheiten sind Götzen, Nichtse. Jes 40-55 kann man das große Trostbuch Israels nennen. Der Prophet gibt den verzagten Menschen seiner Zeit neue Hoffnung: Er stellt das kleine Häufchen der Exilierten mitten hinein in das allumfassende Schöpferwirken JHWHs, mitten in das Geschichtshandeln JHWHs an den Völkern. Alles untersteht JHWH. Er ist die einzige Wirklichkeit. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Göttern der Völker. Das Gottesvolk wird aufgerufen, sich erneut JHWH zuzuwenden und auf ihn zu hören.

Für Deuterojesaja ist das wichtigste Ereignis in der Geschichte Israels der Auszug aus Ägypten. Dieses Ereignis wird auf die Gegenwart angewendet (= aktualisiert): Wie JHWH beim Auszug gerettet hat, so wird er jetzt aus dem babylonischen Exil befreien. Das Neue, das JHWH für Israel schaffen wird, ist der zweite Exodus. Hinter dem großen Wirken JHWHs in der Geschichte steht seine persönliche Zuwendung zu Israel.

In den Gottesknechtliedern wird ein Mann besungen, der im Geist Gottes den göttlichen Heilsplan enthüllt und die damit verbundenen Leiden erträgt. Die junge christliche Kirche sah im Gottesknecht Jesus. Er verkündete Gottes Botschaft, er war gewaltlos, unschuldig, wurde ermordet und von seinem Gott-Vater auferweckt. Jesus ist der Höhepunkt der Offenbarung Gottes. Der Gottesmensch hört ganz intensiv auf Gott:

Der Knecht singt: Jeden Morgen weckt er (Gott) mein Ohr, / damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. /
Ich aber wehrte mich nicht / und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, / die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, / meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht / vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; / darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; / ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. (Jes 50, 4b-8a)

Gott singt: Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben. Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch. Seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen. Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen. Könige müssen vor ihm verstummen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun. Was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.

Das Volk Gottes singt: Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.

Gott singt von seinem Knecht: Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; / er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen (Jesaia 52,13-15; 53,2b-6.11b-12a)

Der Tritojesaja besingt die große Völkerwallfahrt nach Jerusalem, den Gesalbte, mit dem die Heilszeit beginnt, und die friedliche und gerechte Zukunft mit dem neuen Himmel und die neue Erde (Jes 65,17).

Der Messias, der Gesalbte singt: Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; / denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe / und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. (Jes 61,1-2a)

Diese letzten Sätze las Jesus in der Synagoge in Nazaret vor mit der Bemerkung: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,18–21). Darauf entging er nur knapp einem Mordanschlag.

Weiterführende Literatur: Das AT, Jesaja und die Gottesknechtlieder (6. Klasse S. 8, 68). Der Prophet Jesaia (7. Klasse S. 22) Sündenbock, Gewalt, Begehren (7. Kl. S. 88-89 Buch „Religion betrifft“)

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