Blue Flower

oscar romero el salvador mord justizBischof Oskar Romero

Im Bürgerkrieg in El Salvador, Mittelamerika wollte Erzbischof Romero vermitteln und starb, von einem Scharfschützen ermordet, als er gerade eine Messe am Altar feierte. Das war am 24. März 1980. Romero trat für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen in seinem Land ein und galt daher als Verfechter der Theologie der Befreiung. Damit stellte er sich in Opposition zur damaligen Militärdiktatur in El Salvador. Bei Romeros Begräbnisfeier, an der etwa eine Million Menschen teilnahmen, gab es ein Massaker mit 40 Todesopfern unter den Teilnehmenden. Im anschließenden Bürgerkrieg starben 75.000 Menschen. Romero galt bei seiner Ernennung als einer der Wunschkandidaten der Konservativen und reichen Familien. Die Priester und viele Katholiken wollten eine Landreform, um den Armen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Der Großteil der Kirche sah sich als ein Volk Gottes und identifizierte sich mit den Leiden und Hoffnungen des Volkes, insbesondere der Unterdrückten. Romero sah die Unterdrückung der Armen, erlebte die Folterungen und Ermordungen der Priester und distanzierte sich von der Regierung. Er trat in seinen Predigten immer entschiedener für die Menschenrechte ein. Nach seinem Brief an US-Präsident Carter wurde er im Auftrag der Arena-Partei ermordet. Von den Völkern Lateinamerikas wird er seitdem als Märtyrer und Heiliger verehrt.
5. Klasse, 21

Der Erzbischof von El Salvador Oscar Arnulfo Romero:

Die Republik von El Salvador (= Der Erlöser) besteht seit 1841. In ihren ersten vierzig Jahren wechselten die Präsidenten 48-mal, meist durch Palastrevolutionen. 1881 wurde ein Gesetz über den freien Landerwerb erlassen. In der Folgezeit sammelte sich der Landbesitz in den Händen einiger weniger Reicher. Damit begann die Verarmung der Landbevölkerung (Campesinos). Die sozialen Spannungen verschärften sich. 1932 kam es zu einem Militärputsch, verbunden mit einem Massaker von ungeheurer Brutalität. Seitdem stehen sich in El Salvador eine Oligarchie (= Herrschaft einer kleinen Gruppe), die ihren Reichtum verteidigt, und wechselnde Gruppen revolutionärer Volksbewegungen gegenüber.

Als Oscar Romero Erzbischof von San Salvador wurde, glaubte er noch, dass die Kirche aus »guten Reichen« und »guten Armen« bestehe, und es sei möglich, sich von »bösartigen Reichen« und »revolutionären Armen« zu distanzieren. Sein Engagement für das geschundene Volk brachte ihn aber schon bald von diesem naiven Schema fort. In seiner »Pastoralbotschaft« zum neuen Jahr 1980 schildert er die sozialen Verhältnisse so:

»Auf dem Lande entbinden 67% der Mütter ohne medizinischen Beistand; sechzig von hundert Kindern, die dort geboren werden, sterben; bloß 37% haben Zugang zu Wasserversorgung; 73% aller Kinder leiden an Unterernährung; die Hälfte der Landbevölkerung kann nicht lesen; mehr als 250.000 Familien leben in Behausungen mit nur einem Raum. An diesem unhaltbaren Zustand ist die ungleiche Bodenverteilung schuld:

0,7% verfügen über 40% des Landes, und dabei handelt es sich natürlich um den besten Boden, der zum Anbau der gewinnbringenden Produkte genutzt wird. «

Oscar Romero kam selbst vom Dorf. Sein Vater arbeitete auf dem Telegraphenamt; der Mutter wird besondere Güte nachgesagt. Der Junge studierte Theologie in der Hauptstadt San Salvador, später in Rom. Nach seiner Priesterweihe war er Dorfpfarrer, später Bischofssekretär und Generalvikar. 1970 wurde er Weihbischof, im Februar 1977 Erzbischof von San Salvador.

Der Einführung Romeros als Erzbischof in der Hauptstadt gingen Morde an jungen Priestern voraus. Wenige Tage später zeigte der Staatsapparat, was er vom Protest der Bürger hielt: Die drei offiziellen Oppositionsparteien hielten in jenen Februartagen die Plaza Libertad in San Salvador besetzt, sechs Tage lang, um den offensichtlichen Betrug einer gerade stattgefundenen Wahl anzuprangern. Am 28. Februar versammelten sich etwa zehntausend Menschen auf dem Platz. Da wurde das Gebiet von Nationalgardisten eingekreist. Gegen Abend begannen sie ihr Massaker.

Tausende flüchteten in die Rosario-Kirche an der Plaza, die Gardisten schossen blind um sich, in die Kirche warfen sie Gas; später kamen Lastwagen, um die Toten und Verwundeten aufzusammeln und Wasserfahrzeuge, um das Blut von den Straßen zu waschen. Romero, der an diesem Tage erst seinen Umzug besorgt hatte, sagte: »Hören wir auf zu reden . . . Öffnet eure Türen allen, die sich in Gefahr glauben. Überprüft, ob sie wirklich verfolgt werden; wenn ja, dann nehmt sie hinein und versteckt sie. «

Dem geheimen Morden versuchte Romero durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit entgegenzutreten. Der Entmutigung der kirchlichen Mitarbeiter begegnete er durch vermehrte Kontakte. Eines Tages räumte er sein Büro aus und erklärte: »Wir machen hier ein Café! « Dieses Café wurde eine wunderbare Einrichtung. Streikende Arbeiter, fremde Reporter, verfolgte Campesinos, Seminaristen, Priester, Bischöfe . . .  sie alle trafen sich hier, tauschten Nachrichten aus, ermutigten einander.

»Die Atmosphäre war total verändert. Man begann sich im Hause wohlzufühlen. In der Mitte aber stand Bischof Romero. Man konnte ihn in seinem Büro, wo die Tür immer offen war, sehen oder in der Cafeteria. Ob er lächelte oder ernst war, immer strahlte er tiefe Stille aus, die sein Kern zu sein schien. Wenn etwas Unvorhergesehenes kam, ging er in die Halle und rief alle zusammen, um sie um Rat zu fragen. Er sprach wenig und hörte viel zu. «

In den ersten Monaten von Romeros Amtszeit in San Salvador wurden weitere junge Priester ermordet. Am 12. März 1977 Pater Rutilio Grande SJ (SJ = Societas Jesu, Jesuiten). Er hatte vier Wochen zuvor in einer Predigt gesagt: »Es ist praktisch verboten, in unserem Lande Christ zu sein. « Erzbischof Romero ordnete an, dass am neunten Tag nach Rutilios Tod im ganzen Land nur eine Messe stattfinde. »In der Geschichte der Kirche von El Salvador ist noch nie so viel diskutiert worden wie damals. Die Oberschicht schrie: >Todsünde! Genau jetzt, wo wir mehr beten müssen als je zuvor! < Alle Priester mussten zu einer gemeinsamen Messfeier zusammenkommen. Es war überwältigend, auf dem Platz vor der Kathedrale die riesige Menge von Gläubigen zu sehen. Die Leute verstanden die Geste und fühlten sich gestärkt. Dies war für unseren Bischof der erste Kampf auf der Seite des Volkes, auf der Seite der Armen.«

            Am 11. Mai 1977 wurde ein weiterer Priester ermordet, Alfonso Navarro, 35 Jahre alt. Schon im Januar hatte eine Bombe sein Auto samt Garage und Haus zerstört. An jenem 28. Februar hatte er auf der Plaza Libertad gepredigt; danach begannen die täglichen Morddrohungen. Romero sagte bei seiner Beerdigung: »Alfonso war wie ein Beduine in der Wüste, der den Reisenden sagte: >Hier geht es nicht durch, hier nicht! < Aber sie hörten nicht auf ihn und töteten ihn. «

Am 19. Mai 1977 erfolgte ein Angriff auf die Farm San Francisco. Campesinos hatten hier Land besetzt, um es anbauen zu können, mit erklärter Bereitschaft, Pacht dafür zu zahlen. Aber die Miliz kam, ebenfalls arme Campesinos in Uniformen, Handlanger fremder Interessen. »Alle Häuser wurden durchsucht. Wer Bibel oder Gesangbuch besaß, wurde verhaftet, viele geschlagen, einige getötet. Die Kirche wurde zerstört. Das >Brot des Lebens< dieser Gemeinschaft wurde auf den Boden geworfen. Es war die totale Entwürdigung der Eucharistie, des Leibes Christi: Volk, Gemeinschaft, Priester - auf dem Weg zur Befreiung -  zertrampelt und massakriert. Unser Bischof bat uns wiederum, den Verfolgten die Türen zu öffnen. «

RomeroAm 1. Juli 1977 trat der neue Präsident gleichen Namens, General Romero, die Macht an. Er kam nach einem Wahlbetrug, der offenkundiger war denn je. »Ich erinnere mich gut an Luis‘ und Pepes Tränen in jener Nacht, als sie an meine Tür klopften. Sie waren beim Auszählen der Wahlstimmen, als die Gardisten kamen, sie schlugen, die Urnen umwarfen und mitnahmen. « Der neue Präsident lud Erzbischof Romero zu seiner Amtseinführung ein, machte Versprechungen, übte gleichzeitig über den päpstlichen Nuntius, durch andere Bischöfe und Freunde Druck aus. Oscar Romero aber sah klar, was gespielt wurde. Seine Bedingungen zur Aufnahme von Beziehungen:

Ende der Unterdrückung des Volkes, Aufdeckung der Morde — und erst dann wieder Gespräche.

In dieser Zeit nahm Romeros Wort ständig an Bedeutung zu. Die katholische Radiostation und die Zeitung »Orientación« wurden immer stärker beachtet. Des Erzbischofs Sonntagspredigten hatten die höchsten Einschaltquoten aller Landesprogramme. Am 13. Januar 1980 sagte er:

»Wir werden den Taten, nicht den Versprechungen glauben. Die Unterdrückung muss aufhören, die Situation der politischen Häftlinge aufgeklärt werden; es muss eine gründliche Untersuchung erfolgen über die blutigen Vorfälle, die sich auf dem Lande abgespielt haben. Es betrübt mich zu sehen, wie es mit den Verschwundenen steht.

Die Kirche verteidigt die Menschenrechte und besteht darauf, dass das Verschwinden von Menschen aufgeklärt werde.  «

In seiner Predigt vom 12 Februar 1980 sagte Oscar Romero, es sei deutlich, »dass die jetzige Regierung der Unterstützung durch das Volk entbehrt, dass sie sich nur auf die Armee und die Hilfe einiger fremder Staaten stützt ... Von dieser Besorgnis gedrängt, habe ich mir erlaubt, einen persönlichen Brief an den Präsidenten (der USA) Carter zu schreiben. Ich werde ihn absenden, sobald ich weiß, was ihr darüber denkt:

„Herr Präsident, ich bin sehr besorgt über die Meldung, nach der die Regierung der Vereinigten Staaten die Frage prüft, wie sie die Aufrüstung von El Salvador unterstützen kann. Die jetzige Regierungsjunta und vor allem die Armee und das Sicherheitskorps haben sich leider nicht als fähig erwiesen, die schweren nationalen Probleme praktisch und strukturell zu lösen. Sie haben im Allgemeinen bloß zu unterdrückender Gewalt gegriffen. ...“

In seiner Predigt am folgenden Sonntag aber sagte der Erzbischof: »Im Namen des Evangeliums möchte ich die Vereinigten Staaten dringend darum bitten, unseren Streitkräften keine Hilfe mehr zu gewähren, solange diese ihre Haltung nicht ändern. . ., denn es gibt keine Garantie dafür, dass die Stärkung des Militärs zum Wohl des Volkes gereicht.«

Für solch freimütige Reden galt, was schon dem König von Israel über Amos gesagt wurde: »Das Land kann seine ganzen Reden nicht mehr aushalten« (Am 7,10). Am Abend des 24. März 1980 feierte der Erzbischof ein Jahrgedächtnis für Frau Sara de Pinto. In seiner Ansprache sagte Romero: »Wir wissen, dass niemand für immer stirbt und dass diejenigen, die ihre Aufgabe mit tiefem Glauben, mit Hoffnung und Liebe erfüllt haben, die Krone erhalten werden. In diesem Sinne beten wir für Doña Sarita und für uns selbst . . . « da fiel, von einem Scharfschützen abgegeben, der tödliche Schuss auf Oscar Arnulfo Romero. Er wurde ein Märtyrer, ein Zeuge des Glaubens.

            Um Erzbischof Romeros Leben und Tod zu verstehen, ist es notwendig, die sozialen und politischen Verhältnisse Lateinamerikas zu kennen. Notiert alle Fragen, die der obige Bericht über Romero und die Vorgänge in El Salvador bei euch weckt. Beschafft dazu weiteres Informationsmaterial. Durch aufgeteilte Referate könnt ihr ein Gesamtbild entwerfen. Das einbezogene Informationsmaterial lässt sich auch für eine Wandzeitung im Schulbereich nutzen.

Zum Überlegen

Der Einsatz Bischof Romeros in El Salvador
Erzbischof Oscar Romero"Die politische Dimension des Glaubens bedeutet nichts anderes als die Antwort der Kirche auf die reale politische Herausforderung der Welt, in der sie existiert. Was wir wiederentdeckt haben, ist, dass diese Herausforderung von primärer Bedeutung für unseren Glauben ist und dass sich die Kirche ihrem Auftrag nicht entziehen kann. Dabei betrachtet sie sich selbst nicht als politische Institution, die mit anderen Institutionen konkurriert oder eigene politische Mechanismen besitzt. Noch viel weniger sucht sie die politische Führung zu übernehmen. Es geht um etwas viel Tieferes: darum, die Verpflichtung des Evangeliums einzulösen; es geht um eine echte Option für die Armen, um die Inkarnation in ihre Welt, um die Verkündigung der Frohbotschaft und darum, den Armen Hoffnung zu geben, sie zur Freiheit zu ermutigen, ihre Rechte zu verteidigen und ihr Leben (Schicksal) zu teilen. Diese Option der Kirche für die Armen erklärt die politische Dimension des Glaubens in ihrem Fundament und in ihren Konturen."
(Predigt von Oskar Arnulfo Romero, El Salvador, Adveniat online, abg. 21.4.2016, http://www.adveniat.de/aktionen-kampagnen/oscar-arnulfo-romero/zitate.html  Bildquelle: https://www.kath.ch/newsd/oscar-romero-soll-am-23-mai-seliggesprochen-werden abg. 21.4.2016)

Die Theologie der Befreiung bei Gustavo Gutiérrez mit Klassenkampf und Feindesliebe
Das Evangelium berichtet uns von der Liebe Gottes zu allen Menschen und fordert uns auf, wie er zu lieben. Dagegen setzt der Klassenkampf die Entscheidung für die eine und gegen die andere Gruppe von Menschen voraus. Beide Dinge ohne billige Doppelzüngigkeit zu leben, stellt für den Christen, der sich dem Befreiungsprozess in seiner Gesamtheit verpflichtet hat, eine große Herausforderung dar. Jedoch hilft sie ihm, seinen Glauben zu vertiefen und in seiner Liebe zu den Mitmenschen reifer zu werden. … Wir lieben die Unterdrücker, indem wir sie von sich selbst, dh. aus ihrer unmenschlichen Lage befreien. Dazu bedarf es aber eines entschiedenen Eintretens für die Unterdrückten und somit des Kampfes gegen die unterdrückende Klasse. Im konkreten und wirksamen Kampf, der aber keinen Hass kennt, besteht die Herausforderung, die neu ist wie das Evangelium selbst: die Feinde zu lieben.
(Aus: Gustavo Gutiérrez, Theologie der Befreiung, München 1973, S. 263)

Armutsbericht Caritas Pr sident Landau besorgt r landau 2013Die Befreiungstheologie und der Appells von Caritas-Präsident Michael Landau 
Der am Mittwoch, 13. April 2016, präsentierte Armutsbericht der Statistik Austria ist laut Caritas-Präsident Michael Landau besorgniserregend und fordert zu politischem Handeln heraus. Wenn mehr als 1,5 Millionen Menschen in Österreich von Armut betroffen sind oder Gefahr laufen, aus wirtschaftlichen Gründen sozial ausgegrenzt zu werden, dann brauche es "strukturelle Reformen statt Kürzungen", appellierte Landau an die Verantwortlichen der Landes-und Bundesregierung mit Blick auf die Diskussion um die Kürzung der Mindestsicherung (BMS). Gleichzeitig warnte er davor, Flüchtlinge zu "Sündenböcken für die Kürzung der Mindestsicherung zu machen". Eine Not dürfe nicht gegen die andere ausgespielt werden, so Landau in einer Aussendung am Mittwoch.
(Dr. Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich, Bild und Artikel auf Erzdiözese Wien online, abgerufen 21.4.2016, https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/49951.html )

 

Weiterführende Literatur: Praxis des Comboni-Missionars Juan Goicochea und Option für die Armen (5.Klasse S. 100-104), Sel. Oskar Romero (5.Klasse S. 100),

0
0
0
s2smodern
powered by social2s