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Milgramexperiment und Gewissen                                       3. Klasse

Das Milgramexperiment wurde gemacht, um herauszufinden, wie Menschen ihre Verantwortung abgeben und anderen Menschen Böses antun. Eine Versuchsperson fragt den Wissenschaftler, ob er die Verantwortung übernimmt. Der Wissenschaftler sagt: „Ich übernehme die Verantwortung.“ Daraufhin gefährden über 50 % Prozent der Versuchspersonen in der Simulation einen anderen Menschen, der im Versuch ein Schauspieler ist und der die Schmerzen spielt. Auch wenn die Versuchsperson weiß, dass der, der etwas lernen soll, sterben kann, drückt sie auf den Knopf für den Stromstoß von 450 Volt.

Daraus erkennen wir, dass Menschen lernen müssen, für ihr Verhalten Verantwortung zu übernehmen, auch wenn eine Autorität wie die Wissenschaft oder ein Wissenschaftler sagt, dass man es tun soll. Menschen müssen nach ihrem Gewissen handeln und nicht danach, wie die anderen Menschen handeln.

Der gute Gott hilft mir dabei, weil er mir ein unfehlbares Gewissen gibt. Die Verbindung mit ihm stärkt mich, sodass ich nicht versucht bin, die Verantwortung abzugeben. Das Gute tun, damit Gott gefallen und nicht den anderen immer gefallen zu wollen.

Das Gewissen im 2. Vatikanischen Konzil

Das Gewissen ist (k)ein sanftes Ruhekissen? Das Konzil schreibt:

Im Inneren seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen anruft und, wo nötig, in den Ohren des Herzens tönt: Tu dies, meide jenes.

Denn der Mensch hat ein Gesetz, das von Gott in seinem Herzen eingeschrieben ist, dem zu gehorchen eben seine Würde ist und gemäß dem er gerichtet werden wird. Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist. Im Gewissen erkennt man in wunderbarer Weise jenes Gesetz, das in der Liebe zu Gott und dem Nächsten seine Erfüllung hat. Durch die Treue zum Gewissen sind die Christen mit den übrigen Menschen verbunden im Suchen nach der Wahrheit und zur wahrheitsgemäßen Lösung all der vielen moralischen Probleme, die im Leben der Einzelnen wie im gesellschaftlichen Zusammenleben entstehen. Je mehr also das rechte Gewissen sich durchsetzt, desto mehr lassen die Personen und Gruppen von der blinden Willkür ab und suchen sich nach den objektiven Normen der Sittlichkeit zu richten. Nicht selten jedoch geschieht es, dass das Gewissen aus unüberwindlicher Unkenntnis irrt, ohne dass es dadurch seine Würde verliert. Das kann man aber nicht sagen, wenn der Mensch sich zu wenig darum müht, nach dem Wahren und Guten zu suchen, und das Gewissen durch Gewöhnung an die Sünde allmählich fast blind wird.

(Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute, Gaudium et spes, 16)

Das Gewissen

Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen.

Das Gewissen ist ein Moment der Identitätsstiftung des Menschen. Diese Identität wird dadurch geschaffen, dass der Mensch hier seinem Gott begegnet, der dem Menschen Freiheit gibt, zugleich aber auch Möglichkeiten, sich in seiner Freiheit zu orientieren. Im Gewissen wird das Gute, das von Gott kommt, auf die konkrete Situation des Menschen bezogen. Damit ist das Gewissen, die Möglichkeit des Guten, zugleich auch das ausschlaggebende Moment in der Konstitution der Menschenwürde.

Das Gewissen gebietet, das Gute zu tun und das Böse zu lassen.

Der Unterschied zwischen Gut und Böse wird im Gewissen erfahren und damit zugleich auch die Sollensforderung, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, erfahren. Im Gewissen kommt das natürliche moralische Vernunfturteil zum Tragen, das den Menschen ausmacht. Das Gewissen ist mehr als ein Gefühl, es ist ein "Urteil der Vernunft, in welchem der Mensch erkennt, ob eine konkrete Handlung, die er beabsichtigt, gerade ausführt oder schon getan hat, sittlich gut oder schlecht ist.", wie es in der Nummer 1778 des Weltkatechismus heißt.

Das Gewissen ist der Ort der Beziehung des allgemein Guten auf die Situation.

Wie in der Nummer 1778 des Weltkatechismus schon ausgesagt ist, ist das Gewissen das Instrument, mit dem das Gute allgemein auf eine bestimmte Situation hin konkretisiert wird

Die Güte einer Handlung bemisst sich danach, ob ein Mensch nach seinem Gewissen handelt.

Als Vergegenwärtigung des göttlichen Gesetzes im Menschen ist das Gewissen die innerste und letztgültige Instanz im Menschen, der der Mensch zu folgen hat. Der Gewissensspruch ist damit verbindlich. Das Befolgen dieser Instanz ist Vollzug der Freiheit und macht so die Würde des Menschen aus. Daraus folgt auch, dass eine Handlung eines Menschen danach als gut oder als schlecht zu qualifizieren ist, ob sie dem Gewissensspruch folgte oder nicht. Das gilt auch für einen irrigen Gewissensspruch.

Damit handelt auch dann ein Mensch subjektiv gut, wenn er in der Sache objektiv falsch handelt, wenn er seinem Gewissen folgt. 4 Handlungstypen:

  1. Jemand handelt subjektiv sittlich gut und objektiv sittlich richtig. Der Heilige, der sich als Wohltäter der Menschheit erweist.
  2. Jemand handelt subjektiv sittlich gut und objektiv sittlich falsch. Der Heilige, der aus Irrtum Unheil unter seinen Mitmenschen anrichtet.
  3. Jemand handelt subjektiv sittlich schlecht und objektiv sittlich richtig. Der Sünder, der sich als Wohltäter der Menschheit erweist.
  4. Jemand handelt subjektiv sittlich schlecht und objektiv sittlich falsch. Der Sünder, der Unheil unter den Menschen anrichtet." (B. Schüller, Gewissen und Schuld, in: J. Fuchs (Hrsg.), Das Gewissen, Düsseldorf 1979, 34-55, 42)

Gerade auch wegen der sehr problematischen Folgen einer zwar guten, aber falschen Handlung ist es sehr wichtig, dass auch das die objektive Seite der Handlung betreffende Richtige getan wird. Ein Beispiel, das J. Gründel u.a. referiert, zeigt dies. Eltern, die einer Sekte angehörten, gestatteten den Ärzten nicht, eine Bluttransfusion vorzunehmen. Die Eltern handelten nicht leichtfertig, sondern weil sie es für einen verbindlichen Gewissensspruch anschauten, weil sie im gegenteiligen Fall ihrer Meinung nach das Seelenheil des Kindes gefährden würden. Gründel führt dann weitere ähnliche Fälle auch aus anderen Bereichen an.

Gründel führt dazu wörtlich aus: "Nicht in der Bedeutung, die dem Werk an sich zukommt, sondern die dieses Werk für mich hat, liegt die Verbindlichkeit des Gewissensspruches. Auch in meinen Irrtümern bin ich also nicht aus der Verantwortung vor Gott entlassen." (J. Gründel, Verbindlichkeit und Reichweite des Gewissensspruches, in: Ders. (Hrsg.), Das Gewissen. Subjektive Willkür oder oberste Norm?, Düsseldorf 1990, 99-126, 106)

Normen dienen der Bildung des Gewissens, wie Normen auch durch das Gewissen reformiert werden. Das Gewissen braucht gerade auch angesichts der möglichen schlimmen Folgen die Bildung. Der Mensch hat eine Verantwortung für die Folgen seines Gewissens. Diese Bildung erfolgt auch an und mit den Normen, wie sie von der Kirche und auch von der Gesellschaft vorgelegt werden. In den Normen kommt nämlich auch die Erfahrung vieler Generationen zum Ausdruck.

Normen können aber auch unangepasst und auch falsch sein. So bedürfen die Normen immer auch der Kontrolle des wachen Gewissens. Normen, die im Dienst des Gewissens stehen, müssen so immer auch auf Reform hin offen sein.

Eine Gesellschaft ohne Regeln und Normen ist nicht möglich. Das Zusammenleben der Menschen ohne verbindliche Regeln würde zu einem Kampf gegeneinander ausarten. Die persönliche Entwicklung ohne orientierende Normen könnte nur allzu leicht am Glück vorbeiführen.

Gewissensbildung ist eine lebenslange Aufgabe. Entgegen manchen psychologischen und psychoanalytischen Theorien, die etwa davon ausgehen, dass das Gewissen nur das internalisierte Über-Ich oder ein Ausfluss des gesellschaftlichen Seins wäre und so im Gewissen nur ein Unterdrückungsmoment sehen, geht die kirchliche Lehre davon aus, dass das Gewissen etwas ist, das die menschliche Person in ihrer Freiheit grundlegt. Wenn das Gewissen als Grundlage auch dem Menschen mit seinem Menschsein gegeben ist, so bedarf es doch der dauernden Bildung für das konkrete Urteil in konkreten Situationen.

Bemerkung zu Gewissen: Dass der Mensch Würde besitzt, ist nicht zuletzt darin begründet, dass er ein Gewissen besitzt. In der Möglichkeit zur Sittlichkeit, die die Freiheit zur Voraussetzung hat, zeigt sich ein Wesensmerkmal des Menschen. Im Gewissen erhält die Freiheit eine Form, die zum Glücken des menschlichen Lebens, das wesentlich auch ein Glücken seiner sittlichen Entwicklung beinhaltet, fundamental beiträgt. Das Gewissen bedarf aber der Pflege. So wäre es angebracht, dass die Menschen immer wieder zu ihrem Heiligtum in ihrem Inneren pilgern, Einkehr halten und im Hören auf Gott auch die entsprechende Verantwortung in ihrem Gewissen erspüren.

Gewissen, Gesetz, Gott und das Gute Das Gewissen ist die oberste Richtschnur unseres Handelns. Es ist das Wissen um das Gute, das zu tun ist oder das Böse, das vermieden werden soll. Dieses Wissen umfasst nicht alles, was gewusst werden könnte, trotzdem ist jeder Mensch diesem seinem Gewissen gegenüber verantwortlich. Handelt er nach seinem Gewissen, bleibt er schuldlos.

Der Staat schreibt Gesetze vor, um die Freiheit des Einzelnen zu sichern und den Frieden in der Gesellschaft zu bewahren. Er hat mit Polizei und unabhängigen Richtern das Gewaltmonopol. Gesetze werden mit Hilfe dieser Gewalt durchgesetzt. Auch wenn ich nicht mit einem Gesetz einverstanden bin, muss ich mich daran halten. Neben diesen Normalfällen gibt es Ausnahmen, wo ich das Gesetz brechen muss. Wenn eine Gefahr für Leib und Leben eintritt, kann ich zum Gesetzesbrecher werden. Orientierung dafür gibt mir dann mein Gewissen. Es ist die Summe meines Wissens und meiner Erfahrung von Gut und Böse und die höchste Instanz in meiner Person. Diesem Wissen muss ich in wichtigen Dingen mehr gehorchen als den Gesetzten. Z.B. Franz Jägerstätter.

Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dieser christliche Grundsatz bringt Unruhe in Diktaturen. Gott ist das oberste Gute (Musik, Kunst, Natur, Kultur, Liebe...), miteingeschlossen ist das ethisch-moralische Gute. Wenn dieses Gute mir nahe legt, etwas zu tun oder zu lassen, (und mein Gewissen mit dem übereinstimmt), dann muss ich ihm folgen, auch wenn ich Gesetze dabei breche.

Es gibt Bereiche und Entscheidungen, wofür es keine Gesetze gibt, an denen ich mein Verhalten orientieren kann. In diesen Bereichen ist allein mein Gewissen die oberste Richtschnur meines Handelns. Wie ich meinen Kollegen behandle, ob ich ehrlich bin, ob ich andere ärgern möchte - das ist gesetzlich nicht geregelt. Da bin ich allein mir, meinem Gewissen und dem Guten verantwortlich. Ich habe hier nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Ich horche dabei in mich hinein, werde ruhig, konzentriere mich auf meine Mitte, nehme meine Gefühle (Ärger, Angst, Freude...) und meine Gedanken wahr. Es ist ein Missverständnis, Wissen allein als Information zu betrachten. Auch die Erfahrungen sind Wissen und fließen in das Gewissen mit ein.

  1. Klasse 19, Kant‘sche Pflichtethik:

Bei einer kleinen Rauferei geht das Glas eines Overheads kaputt. Einer der beteiligten Schüler geht zum Klassenvorstand und bietet an, den Schaden zu bezahlen. Der Klassenvorstand will, dass sich auch der andere beteiligt.

Handle ich gut, wenn ich es wegen der guten Folgen mache, oder handle ich gut, wenn die Handlung in sich gut ist? Die zweite Überzeugung vertritt der berühmte Philosoph Immanuel Kant (1724-1804). Die gute Handlung hängt vom guten Willen ab. Was ein guter Wille ist, bleibt aber nicht der Willkür des Menschen überlassen. Der Mensch kann und soll vernünftig die Beweggründe des Handelns erklären. Er besitzt Vernunft. Durch sie sind alle Menschen selbständige Wesen. Sie können die Ziele selbst bewerten und moralisch gut handeln. Die Regel dazu ist der „kategorische Imperativ“: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Ein allgemeines Gesetz bedeutet, dass der Leitfaden (=Maxime) für alle verstehbar sein soll.

Die Menschen dürfen auch nicht zum bloßen Mittel degradiert werden. Denn der Andere ist als Mensch ein Subjekt, das über sich selber nachdenken kann. Das ist seine Würde. Nach Kant muss jeder immer der Vernunft folgen, auch dann, wenn dies gegen die Neigungen, wenn es gegen die Gefühle oder gegen die Vorlieben läuft.

Was jeder im Einzelfall tun soll, gibt Kant aber nicht an. Er vertraut darauf, dass jeder zu vernünftigen Entscheidungen kommen kann.

  1. Klasse 19, Christliche Ethik:

Warum leben wir Menschen auf unserem Planeten? Was ist der Sinn des Lebens? Und wenn es einen Sinn gibt: Wie sollen die Menschen leben? Menschen haben viele Anstrengungen unternommen, den großen, letzten Grund zu finden. Gerade der Tod fixiert für viele ein sinnloses Leben und Leiden.
Im Christentum hat sich der Grund des Daseins persönlich zu Wort gemeldet. Er hat sich den Menschen gezeigt und mit ihm wurden gute Erfahrungen gemacht. Dadurch haben sich eine Ethik und eine dynamische Moral entwickelt. Ein gestörtes Verhältnis zu Gott schlägt um in eine Zerstörung des Verhältnisses zum Mitmenschen und zu sich selbst. In der Beziehung zu Gott bekommt der Mensch seine Freiheit und seine Autonomie. Gott fordert nicht nur, er hilft, heilt und befreit. Ist Gott ein Gott der Armen, dann darf der Gläubige die Mitmenschen nicht ruinieren. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist Ebenbild Gottes und dessen Lebensbasis muss erhalten bleiben. In der irdischen und in der himmlischen Zukunft, so die biblische Hoffnung, wird sich Gottes Gerechtigkeit für die Unglücklichen und Armen durchsetzen. Jesus baut auf dieser jüdischen Ethik auf und legt Gottesliebe und Nächstenliebe in das Herz der Menschen. Diese Liebe können die Menschen durch die Gnade des Vaters, durch das Vorbild Jesu und durch die Inspiration des Heiligen Geistes in der Gemeinschaft umsetzen. In der Bergpredigt werden die Gewaltlosen gepriesen und die Menschen zur Versöhnung und der Feindesliebe aufgerufen. Jesus will als Vorbild nicht herrschen, sondern dienen und ruft zum Vertrauen auf Gottes Nähe auf. Christliche Ethik schaut auf die jeweilige Situation mit dem liebevollen Blick Jesu und der Inspiration der Liebe und möchte konkrete Hilfe anbieten.

Weiterführende Literatur: Position die Kant‘sche Pflichtethik in der ethischen Diskussion und die christliche Ethik und die Unterscheidung der Geister (6. Klasse S. 23, 26)

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