Blue Flower

1.) 7. Klasse Jesus und die Ehebrecherin in Johannes 8,1-11: Jesus vergibt die Schuld, die nur Gott vergeben kann.

Am frühen Morgen begab sich Jesus wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Der Terror ist kurzsichtig. Verzeihen ist besser. Gewaltfreiheit statt Vergeltung bringt´s. http://wp.me/pQ1XH-lP

Terror erzeugt in manchen Ländern Gegenterror oder aggressiven Einsatz des Militärs gegen die möglichen Unterstützer des Terrors. Jesus sagt: Wer zum Schwert greift kommt durch das Schwert um. (Mt 26,52) Die Zeloten haben immer wieder einen Aufstand zurzeit Jesu angezettelt und das Ergebnis war die totale Zerstörung Jerusalems mit dem 2. Salomonischen Tempel durch die römische Großmacht. Jesus wendet sich gegen das Prinzip Aug um Aug, Zahn um Zahn: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. (Matthäus 5,38-41)
Diese drei Beispiele hat der Bibelwissenschaftler Dr. Walter Wink in den damaligen Lebenszusammenhang gestellt und kommt zu dem Ergebnis, dass sie Aufforderungen sind, sich in schwierigen Situationen kreativ zu verhalten.
Jesus ist in Jerusalem auf einem Jungesel als Friedensfürst eingezogen. Als er gekreuzigt wurde, bat er seinen Vater-Gott: Vater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. „Vergebung ist lebensnotwendig. Sie ist der Weg nach vorn, selbst dort, wo es keine versöhnte Beziehung mehr geben kann. Glück und Zufriedenheit hängen entscheidend davon ab, ob wir verzeihen, ob wir uns aussöhnen können!“ schreibt Melanie Wolfers in ihrem Buch „Die Kraft des Vergebens. Wie wir Kränkungen überwinden und neu lebendig werden.“
Petrus trat zu Jesus und fragte: “Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Sieben Mal?” Jesus sagte zu ihm: “Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal.” (Matthäus 18,21-22)

Piet van Breemen schreibt: Im Verzeihen bricht etwas wirklich Neues in unsere Welt ein. Wer kreativ leben möchte, muss verzeihen. Dann bricht etwas Neues durch. Ohne Verzeihung bleiben wir gefangen im Teufelskreis der endlosen Wiederholungen oder in der Eindimensionalität, fern von Gott. Vergeben heißt: das Leben wählen, und nicht vergeben bedeutet den Tod wählen, die kleinen glück- und segenslosen Tode. Vergeben kann einen Menschen, eine Gemeinschaft und sogar ein Volk erneuern. Vergeben ist ein mutiger Akt des wachen Menschen, der die Faszination des Bösen aufbrechen und sogar den Feind aus der Sterilität und der Isolation befreien will. Damit öffnet Vergebung wieder Zukunft, für mich und für den anderen. Verzeihen ist ein Akt der Freiheit, die sich nicht die Logik des Gegners zu eigen macht. Das kann freilich sehr schwer sein. Aber nicht verzeihen ist ebenfalls schwer, vielleicht noch schwerer! Es gibt ein chinesisches Sprichwort: „Wer Rache sucht, soll zwei Gräber graben." Die Rache, das Zürnen, der Groll, der Hass vergiften das eigene Leben. Es ist eine Wohltat und eine Erlösung, vergeben zu dürfen, verzeihen zu können. Vergeben gehört zur Liebe, so wie Jesus sie versteht. "Die Liebe trägt das Böse nicht nach ... Die Liebe erträgt alles, ist voller Hoffnung, voller Glaube, hält allem stand“ (1Korinther 13,5.7). (Was zählt, ist Liebe, Freiburg/Brsg.: Herder 1999, S. 118)

2.) 7. Klasse, 18: Schuld und Sünde

Die erste Sünde der Bibel ist die Sünde der Zerstörung der Freundschaft mit Gott. Die Schlange zischt den Menschen ins Ohr, sie sollen etwas Unlogisches tun. Sie haben sich nicht selber geschaffen, trotzdem sollen sie so tun, als ob sie wie Gott aus sich heraus existieren. Sie sind von vielen Dingen um sie herum abhängig, trotzdem sollen sie so tun, als ob sie voll unabhängig sind. Sie könnten Gott gegenüber dankbar sein, trotzdem sollen sie so tun, als ob sie undankbar sind.
Die zweite Sünde der Bibel ist kommt aus dem Neid des Kains gegenüber seinem Bruder Abel, der anscheinend von Gott begünstigt wird. Kain erschlägt Abel, trotzdem wird er von Gott gegen die Rächer beschützt.
Die biblischen Geschichten zeigen, dass Gott in Liebe wartet, bis der Sünder sich bekehrt.

Buch / Unterlagen: Schuld: Erbsünde und persönliche Sünde S. 82 (Erbsünde 6. Kl. S. 158), Die sieben Hauptsünden S. 84, Schuldbewältigung S. 86, Mimetisches Begehren R. Girard S. 88, Jesus durchbricht den Teufelskreis S. 90, Versöhnung: Scheitern und Vergeben S. 96, Der verlorene Sohn S. 100, Gemeinschaft Sant’Egidio: Versöhnung S. 102, Versöhnung mit Gott S. 104, Das Sakrament der Versöhnung S. 106 Gefängnisseelsorge S. 92

3.) 7. Klasse, 18: Wer tötete Davey Moore?

Davey Moore war Boxer und wurde 1963 bei einem Boxkampf getötet. Moores Tod entfachte die öffentliche Debatte erneut, die ein Jahr zuvor durch den Tod von Benny „Kid“ Paret entstanden war. Dieser starb ebenfalls nach einem langen Kampf an schweren Verletzungen. Wie kam Moore zu Tode, und wer ist schuld daran? Bob Dylan sang über dieses Ereignis:

Wer tötete Davey Moore, warum und was war die Ursache? Ich nicht, sagte der Ringrichter; Zeigt mit eurem Finger nicht auf mich. Du hättest den Kampf in der achten Runde abbrechen sollen, Um ihn vor seinem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Aber die Menge hätte mich bestimmt ausgebuht. Sie wollten etwas für ihr Geld haben. Schade um ihn. Aber ich stehe eben unter Druck. Nein, ich kann nichts dafür, dass er starb, Mich kann man nicht dafür verantwortlich machen. Wer tötete Davey Moore, warum und was war die Ursache? Ich nicht, sagte die aufgebrachte Menge, Deren laute Schreie durch die Halle gellten. Sagt: Wie fürchterlich, dass er heute Nacht starb, Aber wir wollten doch nur einen spannenden Kampf sehen; Uns kann man nicht für seinen Tod verantwortlich machen; Wir wollten nur ein bisschen Schweiß sehen. Daran ist doch nichts Schlimmes. Nein, wir können nichts dafür, dass er starb, Uns kann man nicht dafür verantwortlich machen. Wer tötete Davey Moore, warum und was war die Ursache? Ich nicht, sagte sein Manager und steckte seine dicke Zigarette an. Es ist schwer zu sagen. Ich habe immer gedacht, er sei fit. Traurig für seine Frau und seine Kinder, dass er tot ist. Aber wenn er sich schlecht fühlt, hätte er es sagen sollen. Nein, ich kann nichts dafür, dass er starb, mich kann man nicht dafür verantwortlich machen. Wer tötete Davey Moore, warum und was war die Ursache? Ich nicht, sagte der Sportreporter Und spannte sein Blatt in seine alte Schreibmaschine. Sagt: Das Boxen ist nichts Schlechtes. Ein Fußballspiel ist genauso gefährlich. Sagt: Das Boxen muss bleiben. Das ist eben die amerikanische Art. Nein, ich kann nichts dafür, dass er starb, Mich kann man nicht dafür verantwortlich machen. Wer tötete Davey Moore, warum und was war die Ursache? Ich nicht, sagte der Mann, dessen Fäuste ihn niederschlugen und der aus Kuba kam, wo das Boxen nicht erlaubt war. „Ich habe ihn getroffen, das stimmt zwar, dafür werde ich ja bezahlt. Nennt es nicht Mord oder Totschlag, Es war Schicksal, es war Gottes Wille.“ Wer tötete Davey Moore, warum und was war die Ursache?

Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for? "Not I," says the referee, "Don't point your finger at me. I could've stopped it in the eighth. An' maybe kept him from his fate, but the crowd would've booed, I'm sure, At not gettin' their money's worth. It's too bad he had to go, but there was a pressure on me too, you know. It wasn't me that made him fall. No, you can't blame me at all." Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for? "Not us," says the angry crowd, whose screams filled the arena loud. "It's too bad he died that night. But we just like to see a fight. We didn't mean for him t' meet his death, we just meant to see some sweat, there ain't nothing wrong in that. It wasn't us that made him fall. No, you can't blame us at all." Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for? "Not me," says his manager, puffing on a big cigar. "It's hard to say, it's hard to tell, I always thought that he was well. It's too bad for his wife an' kids he's dead, but if he was sick, he should've said. It wasn't me that made him fall. No, you can't blame me at all." Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for? "Not me," says the gambling man, with his ticket stub still in his hand. "It wasn't me that knocked him down, my hands never touched him none. I didn't commit no ugly sin, anyway, I put money on him to win. It wasn't me that made him fall. No, you can't blame me at all." Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for? "Not me," says the boxing writer, pounding print on his old typewriter, sayin', "Boxing ain't to blame, there's just as much danger in a football game." Sayin', "Fist fighting is here to stay, it's just the old American way. It wasn't me that made him fall. No, you can't blame me at all." Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for? "Not me," says the man whose fists laid him low in a cloud of mist, who came here from Cuba's door where boxing ain't allowed no more. "I hit him, yes, it's true, but that's what I am paid to do. Don't say 'murder,' don't say 'kill.'It was destiny, it was God's will." Who killed Davey Moore, why an' what's the reason for?https://www.youtube.com/watch?v=hk40FCp0bXM

Das ist eine klassische Sündenbockgeschichte, es geht um die Schuld und mögliche Einsicht und Bekehrung. Die Zuschauer feuern ihren jeweiligen Kämpfer an. Sie schreien: „Schlag ihn KO, gib ihm einen Haken.“ Vielleicht sogar: „Gib ihm den Rest!“ Der Mann geht KO und stirbt. Die gegnerischen Zuschauer waren in ihrem Schreien einmütig gegen ihn. René Girard nennt dies Sündenbockmechanismus. Menschen, die vorher Rivalen waren schließen sich einmütig gegen eine Person zusammen. In archaischen alten Kulturen begannen so die Menschenopfer. Bei Jesus war es so, dass die Menge schrie: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ und mit ihrem Schreien setzten sie sich bei Pilatus durch. Jesu Aufforderung an die Täter war: „Bekehrt euch! Kehrt um, glaubt an Gott und Gottes liebevolles Reich!“ Jesus identifiziert sich mit allen Geschlagenen, hier mit Davey Moore. „Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Deswegen müssen alle, die daran beteiligt sind, sich bekehren: Die Zuschauer, der Ringrichter, der Manager, der Sportreporter, sein Gegner (Sugar Ramos). Aber auch Davey Moore selbst, wenn er nach dem Tod zu Gott kommt. Denn er ist nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Er schlägt ja auch seinen Gegner. Der Komponist und Autor des Liedes Bob Dylan gibt nur den anderen die Schuld. Bekehren und ihre Schuld eingestehen müssen sich alle, dann gibt es Vergebung der Schuld.

  1. Die Schuld wird verdrängt oder auf andere abgewälzt. Zum Schluss sind alle anderen schuld oder sogar Gott oder das Schicksal sind schuld. Wenn der Zeigefinger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf einen selber. Der Gläubige weiß, dass ihm seine Schuld vergeben wird. Es wird denen, die bereuen, geschenkt.
  2. Was bedeuten in diesem Zusammenhang: Ich bin es ihm schuldig, ich werde schuldig, ich trage persönliche Schuld, ich habe Verantwortung, es ist unsere gemeinsame Schuld, wir haben eine Kollektivschuld, ich habe eine Sünde begangen, wir sind in Sünde verstrickt, wir haben uns von Gott abgesondert, ich habe mich von Gott abgewendet, ich bin verführt worden? Was bin ich dem Nächsten schuldig? Was bin ich Gott schuldig? Was bin ich mir schuldig? Wann ist jemand persönlich schuldig? Wann ist jemand leicht schuldig geworden? Wann verzeiht Gott die Schuld? Wann verzeihe ich einem anderen die Schuld?

Erbsünde oder Gottferne

Die Erbsünde ist die Verstrickung in den bösen Strukturen der Menschheitsgeschichte und der Welt. Erbsünde ein unglückliches Wort für jene kollektive gesellschaftliche Absonderung von Gott, für die der einzelne Mensch nicht verantwortlich ist. Es ist die Gottesferne und Orientierungslosigkeit der Gesellschaft. Erbsündige Wege sind die Sackgassen der Menschheit: Rassismus, Kolonialismus, Kommunismus, Kapitalismus, Nationalsozialismus, Faschismus, Hexenwahn, ansteckender Neid, Konkurrenz, gesellschaftliche Gottlosigkeit. Erbsünde ist die Entlastung des Einzelnen von der Schuld. Er kann sagen: Das habe ich nicht verursacht. Erbsünde ist für Augustinus der Grund, warum Gott sich in Jesus Christus geoffenbart hat und die Menschen in seinem Bereich von der Erbsünde befreit sind.

4.) Sünde

Die Sünde ist die absichtliche Entscheidung gegen Gott. Es gibt auch nichtreligiöse Bedeutungen, wie: Sünde ist eine absichtliche Entscheidung gegen das Gute oder gegen das Gewissen. Im ursprünglichen Sinne ist Sünde „die freie und bewusste, also voll verantwortliche und existentiell radikale Entscheidung gegen den eindeutig erkannten Willen Gottes“ (Vorgrimmler, Theologisches Wörterbuch, „Sünde“, S. 598, Herder, 2001).

Im Alten Testament (AT), dem ersten Testament:

Wer die Weisungen Gottes kennt, wer sich deren bewusst ist, wer frei entscheidet und verantwortlich ist, kann nach dem Alten Testament eine Sünde begehen. Sünde in diesem ersten Testament ist die Verweigerung der Gottesliebe und der Nächstenliebe.

Verehrung anderer Götter: Andere Götter zu verehren hieß, den Bund mit Gott zu brechen. Dies wurde bei den Propheten als Ehebruch gesehen.

Jeder Mensch ist ein Sünder? Weil man nicht alle Gesetze und Normen beachten kann, meinten viele im Alten Testament, dass jeder Mensch ein Sünder sei.

Der einzelne macht die Gemeinschaft sündig? Durch die Auswirkungen der Sünde eines Menschen sahen viele die gesamte Gemeinschaft bedroht.

Strafe und Vergebung: Schicksalsschläge und Katastrophen sahen die Menschen der ersten Bibel als Strafen Gottes. Gott vergibt unter gewissen Umständen, z.B. wenn die Menschen Buße tun, wenn sie bereuen und wenn sie im Gottesdienst zu Gott zurückkehren.

Im Neuen Testament (NT), dem zweiten Testament:

Jesus sah seine Aufgabe darin, nicht nur die Gerechten zu berufen, sondern auch die Sünder. Er sah Gott als barmherzigen Vater, der jene, die einsichtig sind und umkehren, hilft. Schwer wiegend ist es, wenn die Liebe Gottes nicht angenommen wird.

Jesu Bergpredigt zeigt die Gottesliebe und die Menschenliebe in verschiedenen Lebenssituationen. Jesus relativiert die kultische Unreinheit, die im damaligen Judentum durch Übertretung der Reinheitsgebote bestand. In der Bergpredigt öffnet Jesus ein inneres Forum, indem er fordert: Liebe Gott und den Nächsten, tu dem Nächsten (und Gott) Gutes. Zum Unterschied von allen anderen Ethiken, die auf Verboten aufgebaut sind, bringt er ein positives Gebot: Liebe! Liebe Gott und den Nächsten! Das ist von außen nicht wahrnehmbar.

Immanuel Kant (1724-1804) meinte dazu: Wenn ich zu wenig liebe, wer entschuldet mich nun? Ich bin nicht vollkommen wie „Gott-Vater“. Es könnte eine zentnerschwere Last sein. Das sieht auch Jesus und entschuldet die Menschen. Er sagt zu den Menschen: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Den Jüngern gibt er die Vollmacht, Sünden zu vergeben: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ (Joh 20,23) Sündenvergebung wird im Judentum nur Gott zugestanden. Es gibt viele Gleichnisse von Jesus, in denen er zeigt, dass Gott die Sünden und die Schuld vergibt: Der verlorene Sohn (Lk 15, 11-32), Pharisäer und Zöllner (Lk 18, 9-14), Unbarmherziger Schuldner (Mt 18,23-35), Die zwei Schuldner (Lk 7, 41-43).

Verschiedene Schwere der Sünden

  1. a) Todsünde: Sie ist die absichtliche Entscheidung gegen den Willen Gottes. Sünde in dieser radikalen Entscheidung gegen den eindeutig erkannten Willen Gottes ist schwerwiegende, bzw. schwere Sünde. Weil Gott das Leben schenkt, ist eine Entscheidung gegen Gott auch eine Entscheidung für den Tod. Diese Entscheidung gegen Gott (z.B. Gotteslästerung) wird daher auch Todsünde genannt.
  2. b) Schwere Sünde: In einer wichtigen Sache gegen absichtlich gegen das Gewissen und das Gute sich entscheiden und danach handeln ist eine schwere Sünde. Auch sie schneidet von Gott ab oder belastet die Beziehung zu Gott schwer. Sie hat zur Voraussetzung, 1.) dass sie sich auf einen bedeutenden Wert bezieht, also sich gegen das Leben richtet (z.B. Mord, Ehebruch) und 2.) dass sie in voller Erkenntnis und Zustimmung begangen wurde.
  3. c) lässliche Sünden: Sie beziehen sich 1.) auf geringere Werte als Leben (Ehre, Wahrheit, Eigentum) oder Sünden, die nicht in voller Erkenntnis ihrer Tragweite beziehungsweise nicht mit voller Zustimmung geschehen sind. Solche Sünden stören die Beziehung zu Gott, aber sie brechen nicht mit ihm.

Voraussetzungen für Sünde

1.) Ein Wert wurde verletzt. 2.) Die Tragweite wurde erkannt. 3.) Die Absicht war vorhanden.

Eine Sünde kann nur durch eine Entscheidung begangen werden: die Entscheidung für bestimmte Gedanken, für bestimmtes Tun und für das Unterlassen von gutem Tun. Nicht alle Gedanken sind Sünde: Phantasien, Tagträume, Assoziationen können Böses ausmalen. Das ist keine Sünde. Erst wenn sich der einzelne dafür entscheidet und Böses plant, begeht er oder sie eine Sünde. Das Wort Sünde kommt ursprünglich vom Wort „absondern“ und meint, dass sich jemand von Gott und seinem Volk absondert.

Zerstörerisch

Sünde ist letztlich die „bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe“ (Augustinus), und im Extremfall sagt der Mensch: „Ich will sein wie Gott“ (Gen 3,5). Sie belastet den Menschen mit Schuld, verwundet und zerstört ihn im Letzten und vergiftet seine Lebenswelt. In der Nähe Gottes wird Sünde und deren Schwere erkennbar. Gott will diese Wunde heilen und die Beziehung erneuern.

5.) Die Beichte als Sakrament der Versöhnung mit Gott, auch der Buße

Beichte ist eine Erneuerung der Beziehung mit Gott. Wenn es irgendetwas gibt, das zwischen dem Gläubigen und Gott steht, muss es ausgeräumt werden. (http://www.k-l-j.de/Beichte.htm)

Voraussetzungen:

Für eine gültige Beichte müssen fünf Voraussetzungen gegeben sein: 1. Gewissenserforschung, 2. Reue, 3. guter Vorsatz, 4. Bekenntnis und 5. Wiedergutmachung.

Gewissenserforschung

Die Gewissenserforschung zielt vor der eigentlichen Beichte darauf ab, sich der Sünden und ihrer Umstände bewusst zu werden.

Reue

Die Reue ist der wichtigste Teil der Beichte. Ohne Reue ist eine Vergebung der Sünden nicht möglich. Was man nicht bereut, kann man nicht gültig beichten. Man unterscheidet zwischen der vollkommenen Reue (aus Liebe zu Gott) und der unvollkommenen Reue. Die vollkommene Reue ist der Wunsch des Herzens, sich aus Liebe zu Gott ganz von der Sünde abzuwenden und sich voll zum Vertrauen in die Liebe Gottes, zur Gemeinschaft mit Jesus Christus, zu bekehren. Bei der unvollkommenen Reue kann auch die Angst vor der Strafe durch Gott oder die Angst vor der Verfehlung des letzten Ziels überwiegen.

Vorsatz

Der gute Vorsatz muss in der Absicht bestehen, in Zukunft alle schweren Sünden zu meiden.

Bekenntnis

Für eine gültige Beichte ist das Bekenntnis aller bewussten schweren Sünden (auch Todsünden) nötig, derer man sich seit der Taufe erinnert und die noch nicht durch eine sakramentale Beichte vergeben worden sind. Eine Sünde ist dann schwer, wenn ein Gebot Gottes in einer wichtigen Sache, mit klarem Bewusstsein und in freier Entschiedenheit übertreten worden ist. Es wird auch geraten, weniger schwere, sogenannte lässliche Sünden zu bekennen.

Wiedergutmachung

Die Wiedergutmachung besteht zunächst in der Pflicht, begangenes Unrecht soweit irgend möglich zu begleichen, beispielsweise muss Gestohlenes zurückgegeben werden. Zum anderen soll das Bußwerk helfen, die Folgen der Schuld in Solidarität mit der Kirche abzutragen. Für die Beseitigung der Sündenfolgen hilft die Kirche als eine zeitliche und ewige Solidargemeinschaft mit Christus und seinen Heiligen.

Somit kann keine wirksame Lossprechung bekommen, wer keine Reue über seine Sünden empfinden will; wer die nächste Sünde oder die Gelegenheiten zur Sünde nicht meiden will; wer seinen Feinden nicht verzeihen, fremde Ehre nicht wiederherstellen oder anderes Unrecht nicht ausgleichen will, obwohl er es könnte.

Weitere Literatur: a) Das Verzeihen als Befreiung von Verstrickung und b) die Versöhnungspraxis der Gemeinschaft Sant’Egidio  (7. Klasse S. 96, 102) Gott vergibt Johannes Kneifel (5.Klasse) Jesus und die Ehebrecherin (5. Klasse)( 8. Klasse)

0
0
0
s2smodern
powered by social2s